Mazedonien, die Zweite: Wie war das noch mal mit dem Award, dem City-Blog, der EU und den Galliern in Skopje?

In Skopje treffen wir neben Boris Kaeski auch den Journalisten Gojko Keselj. Er ist 23 Jahre alt und arbeitet bei einer 24-Stunden Nachrichtenstation in Mazedonien. „Es ist ein Full-Time-Job, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Das ist auch der Grund warum ich momentan bei cafebabel.com nicht besonders aktiv bin und es auch keinen Babel-Blog in Skopje gibt.“ Lediglich ein Artikel von ihm ist auf der Seite des Magazins zu finden. Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem montenegrinischen Journalisten Marko Vesovic und thematisiert die Unabhängigkeitsbemühungen des Kosovo. Für den Artikel wurden beide mit dem European Young Journalist Award 2008 ausgezeichnet. Spricht man ihn direkt auf die Auszeichnung an, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Die Auszeichnung wird vollkommen überbewertet. Insgesamt hatten nur drei Leute aus Mazedonien einen Artikel eingereicht. Und da aus jedem Land ein Preisträger hervorging, war die Wahrscheinlichkeit recht hoch etwas zu gewinnen. Ich habe nicht länger als zwei Stunden an dem Artikel gearbeitet. Bei Bewerbungsschreiben kommt die Auszeichnung als Referenz allerdings überall gut an (lacht).“

Eine gute Sache für junge Menschen

„Das Konzept von cafebabel.com ist interessant. Es ist multikulturell und greift viele interessante, vor allem europäische Themen auf. Kurz gesagt: eine gute Sache für junge Menschen.“ Beim Thema City-Blog sind sich Boris und Gojko einig: „Es wäre der erste Schritt um eine breite Öffentlichkeit anzusprechen und eine Möglichkeit über vermeintliche `No-Go`- Themen zu berichten. Ein City-Blog ist eine tolle Sache, es ist jedoch schwierig ihn hier an den Start zu bekommen. Gerade für Journalisten es ist nicht einfach einen Full-Time-Job mit geregeltem Einkommen zu bekommen. Viele können sich nicht auf eine Sache, wie zum Beispiel einen City-Blog konzentrieren, denn sie müssen mehreren Jobs nachgehen, um über die Runden zu kommen. Und gerade ein Blog erfordert einen großen Zeitaufwand und braucht viel Engagement. Ich denke, dass es sehr schwierig ist Freiwillige zu finden, die ohne Bezahlung arbeiten wollen.“ Für den Blog könnte eine Kooperation mit der Universität eine Option sein. „Die Studenten könnten Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren. Obwohl die offene und kritische Berichterstattung von cafebabel.com zu Schwierigkeiten führen könnte (lacht). Selbst in der Universität gibt es Probleme mit der freien Meinungsäußerung. Viele junge Menschen wollen sich kritisch zu Wort melden und sich frei äußern. Jedoch fehlt ihnen die entsprechende Plattform. Es ist momentan einfach schwierig, dem etwas entgegenzusetzen"

"Natürlich gibt es viele Proteste und Bürgerbewegungen, dennoch haben wir relativ wenig Jugend-Aktivismus hier in Mazedonien. Es ist wichtig Projekte ins Leben zu rufen, damit die Leute aktiv werden. Junge Menschen kämpfen nicht für ihre Rechte. Sie akzeptieren die Dinge so wie sie sind. Viele glauben nicht daran, dass sie Dinge verändern können. Die Regierung versucht die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem sie versucht Bürgerbewegungen oder Proteste so darzustellen, als wären sie von der Opposition initiiert. In meinen Augen haben viele Politiker leider den Bezug zur Realität verloren. Nicht die Bürger stehen im Mittelpunkt, sondern größenwahnsinnige Projekte wie `Skopje 2014`. Das Stadtbild erinnert mich an Filme von `Asterix und Obelix`. Es wird versucht, verschiedenste Stile und Epochen miteinander zu verbinden. Es wird viel Geld für Gebäude und Monumente ausgegeben, obwohl es viele andere `Baustellen` gibt. Da werden teilweise die Prioritäten falsch gelegt. Was wollen wir denn mit dem Triumphbogen in Mazedonien? Soll der Erfolg assoziieren? Ich glaube viele EU-Staaten machen sich mittlerweile lustig über das Projekt. Die Menschen, die die Regierung gewählt haben, interessiert das aber alles nicht. Die Parteien kaufen teilweise ihre Stimmen. Die Leute interessiert hier einfach nichts. Ihr könnt euch nicht vorstellen was hier abgeht. Um dem entgegenzuwirken, wären Debatten (z.B. an der Universität) von Nöten, wo unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen. Erst wenn man hier einen Konsens gefunden hat, können Veränderungen in der Gesellschaft in Angriff genommen werden.“

Ein weiteres Problem sieht er darin, dass der TV Sender A1 und drei große Zeitungen geschlossen wurden. „Der mazedonische Medienmarkt ist sehr klein und A1 hatte einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Doch wie sollen die Medien ihre Unabhängigkeit bewahren? Wir haben eine schwache Wirtschaft und mazedonische Unternehmen geben kein Geld für Werbung aus. Wenn die Medien keine Einnahmen durch Werbepartner erzielen, müssen sie wohl oder übel mit Parteien zusammenarbeiten, um an Geld zu kommen. Es ist ein Kreislauf: Hast du eine starke Wirtschaft, steigen die Werbeausgaben der Unternehmen und die Medien können unabhängig von den Parteien arbeiten.“

Das Problem mit dem Namen

„Es liegt doch im Interesse aller Länder, die geografisch zu Europa gehören, in die EU aufgenommen zu werden. Erst einmal müssen wir den Namensstreit mit Griechenland beenden. Obwohl das in meinen Augen absolut absurd ist. Ich hätte kein Problem mit einem anderen Namen. Zumal Griechenland durch seine lange Mitgliedschaft in der EU in einer stärkeren Position ist. Wenn wir Teil der EU werden wollen, müssen wir dieses Problem schnellstmöglich lösen. Hier arbeitet die Regierung aber bereits an einer Lösung. Auch wenn wir viele Probleme haben, sehe ich uns auf dem Weg in die Staatengemeinschaft. Natürlich ist es ein langwieriger Prozess bis zum Beitritt, aber auch andere Balkanstaaten wie Montenegro oder Serbien haben noch eine Menge Nachholbedarf.“

Last but not least gibt uns Gojko noch folgendes mit auf den Weg: „Glaubt nicht den tollen Werbungen über Mazedonien. Wenn du in Mazedonien angekommen bist, weißt du, dass du in der Hölle angekommen bist.“

Serbien – Zwischen Exit, Roma und dem eigenen Image

Roma und Serben

„Verloren und versucht seinen Weg zu finden“, so beschreibt Senka Korac (28) von cafebabel Belgrad ihr Heimatland. „Serbien ist das größte Land auf dem westlichen Balkan, nicht nur gemessen an der Fläche, auch was die Bevölkerungszahl angeht.“ setzt Senka fort. „Eigentlich sollte Serbien dafür sorgen, dass hier in der Region Stabilität herrscht. Das kann aber nur geschehen, wenn Serbien aufhört, selbst Probleme zu verursachen.“  Es gibt einige Punkte die auch international immer wieder zu Problemen führen, wie etwa Korruption oder die Kosovo-Frage. Ein weiteres Problem, welches uns auf dem Balkan immer wieder begegnet, ist das der rivalisierenden ethnischen Gruppen. Senka sieht den Scheinwerfer des internationalen Interesses aber fehlgerichtet.

„Es ist doch so, dass, wenn es um ethnische Gruppen geht, es immer nur um Serben, Kroaten, Bosniaken oder letztlich auch um Albaner und Montenegriner geht. Doch am schlimmsten geht es hier den Roma. Darüber redet allerdings keiner, weil es einfach üblich ist, nicht darüber zu reden. Ich meine, es gibt da schon Organisationen, welche sich darum kümmern, aber ich denke der Zustand dieser Leute ist immer noch bedenklich. Vor einiger Zeit habe ich eine Fernsehsendung gesehen, in der sich eine Frau auf eine Zeitungsannonce bewarb. Es handelte sich um eine Stelle als Hausmädchen. Im Gespräch wurde besprochen um welche Arbeitszeiten es sich handeln soll und wie die Bezahlung sein würde… Alles war in Ordnung. Am Ende des Gespräch sagte die Bewerberin: ‚Ach ja, ich bin Roma. Ich hoffe das ist kein Problem?‘  Da hat die Frau am anderen Ende der Leitung einfach aufgehängt. Das fand ich schockierend. Doch nicht nur das. Vor einiger Zeit wurde ein Video veröffentlicht, das einen Polizisten zeigt wie er einen Roma-Mann schlägt, während er ihm Fragen stellt. Der Polizist hatte den Mann aus irgendeinem Grund festgehalten. Und das war ein ganz klarer Beweis für Polizeibrutalität gegenüber Roma. Dann wurde jetzt irgendwann ein Artikel veröffentlicht, in dem erklärt wurde, der Mann habe ein paar Tage später eine Tafel Schokolade geklaut oder so etwas. Und auf einmal hieß es ‚Ach, na dann ist es ja nicht so schlimm, dass der Polizist ihn verdroschen hat‘. So werden hier Verbrechen gegenüber Roma gerechtfertigt.“.

Schätzungsweise eine halbe Millionen Roma leben in Serbien. Gesellschaftliche Benachteiligung ist ebenso an der Tagesordnung wie Übergriffe rechtsradikaler Jugendlicher. In und um Belgrad gibt es zahlreiche Slums. Immer wieder lässt die Stadt Behausungen der Roma niederreißen ohne ihnen eine alternative Wohnmöglichkeit anzubieten. Sie werden praktisch auf die Straße geworfen. Kurzum; die Mehrheit der Serben will die Roma nicht. Ein schwieriges Los für eine Bevölkerungsgruppe, welche in keinem Land der Welt eine Bevölkerungsmehrheit stellt und nahezu überall unerwünscht ist. Zwar setzen sich zahlreiche Menschenrechtsorganisationen für die Roma ein, zu einer Verbesserung der Lage hat das bisher aber noch nicht wirklich geführt.

Ein Wimbledongewinner und der Kosovo

Tennis ist in Serbien dieser Tage einfach alles. Während in anderen Großstädten Europas vornehmlich Fußball auf den Mattscheiben flimmert, erzählt man sich in Belgrad von den Heldentaten der Jelena Jankovic, Ana Ivanovic und natürlich des Novak Djokovic, welcher kürzlich als Nummer 1 der Weltrangliste und Wimbledongewinner heimkehrte und eine ganze Millionenstadt in Verzückung versetzte. Zehntausende fanden sich vor dem Parlament der Republik Serbien ein und huldigten ihrem Heilsbringer, welcher sich nach dem Feiern mit seiner Lieblingsband schließlich noch zu ein paar nationalistischen Worten hinreißen ließ.  „Der Kosovo ist das Herz von Serbien.“, verkündete er, nachdem eine Gruppe serbisch-kosovarischer Kinder eine 15 Meter lange Serbische Flagge auf die Bühne brachte. Der Jubel war gewaltig. Im Hinblick auf die gespannte Lage und eskalierende Gewalt im Norden des  Kosovo, möglicherweise ein unüberlegter Schritt eines Mannes mit Vorbildfunktion, jedoch durchaus die Meinung der meisten Serben – und das seit der Schlacht auf dem Amselfeld (1389). Auch cafebabel Redakteur Aca Todorovic (27) teilt diese Meinung:

„Die Hauptstadt von Jugoslawien war nun mal in Serbien. Und als Land ist es doch nur normal, seine Grenzen zu verteidigen, wenn jemand versucht diese niederzureißen. Das würde doch in anderen Ländern auch nicht geduldet werden. Ich will auf keinen Fall irgendwelche Kriege verteidigen, aber ich glaube uns wird zu Unrecht die Rolle des Bad Boy vom Balkan zugewiesen. Wahrscheinlich sind wir dem Westen nicht sympathisch genug.  Beim Kosovokonflikt liegt die Sache ja nochmal anders. Der Kosovo hatte im Gegensatz zu den sechs Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawiens nicht das verfassungsmäßige Recht, eine eigenständige Republik zu gründen, da es sich beim Kosovo lediglich um eine autonome Provinz handelte. Im Ausland wird von den meisten Medien einfach ein falsches Bild verbreitet, denn so schlimm sind wir nicht - wie ihr seht. Das ist auch der Grund, warum ich cafebabel für eine wirklich gute Sache halte. Sie geben den Menschen von hier eine Stimme, die auch in Europa wahrgenommen wird. Da wir kein echter Teil von Europa sind, werden wir dort auch nicht gehört. So wird sich auch das serbische Image nicht verbessern, was möglicherweise Auswirkungen auf unsere europäische Perspektive hat.“ Auswirkung auf die europäische Perspektive hat mit Sicherheit auch der Kosovo-Streit und die Art und Weise wie dieser beigelegt wird. Bei diesem Thema wollen sich die Serben aber von keinem reinreden lassen, wie Boris Tadic kürzlich klargestellte. Ein anderes Problem, welches gelöst werden konnte, war das Aufgreifen des Kriegsverbrechers Ratko Mladic, welches von vielen mit „Gott sei Dank ist diese Scheiße endlich vorbei!“ aufgenommen wurde.

Exit Jugoslavia! – Join the EU?

Das Festival wurde im Sommer 2000 von Studenten der Universität Novi Sad gegründet. Im ersten Jahr als kulturelle Alternative und Protestaktion gegen das Milosevic-Regime geplant, entwickelte sich das Exit, trotz einiger finanzieller Probleme, schnell zu einem der größten Musikfestivals Europas. Die Liste der Künstler ist lang und hochkarätig. So sind bereits Bands wie Placebo, Beastie Boys, Arcade Fire, Korn oder Franz Ferdinand in der Petrovaradinischen Festung aufgetreten. Im Jahr 2007 wurde das Exit von den UK Festival Awards als bestes europäisches Festival ausgezeichnet. Was zahlreiche Briten dazu veranlasste, sich die Sache einmal genauer anzusehen. Seitdem wird Novi Sad jedes Jahr von vagabundierenden Horden britischer Party-People eingenommen. Das mag auch an den durchaus niedrigen Preisen liegen. Vier Tage feinste Musik sind ab 70 Euro (60 für serbische Studenten) zu haben. Das Festival-Volk besteht allerdings nicht nur aus Insulanern. Für viele junge Serben ist das Exit der Höhepunkt des Jahre. „Man freut sich schon Monate im Voraus auf das Exit-Festival und kann es kaum erwarten, dass es los geht. Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch, dass, wenn es dann vorbei ist, man wieder der unerträglichen Wartezeit von einem Jahr ausgesetzt ist.“ meint Zoran aus Subotica im Vorfeld und fängt bei der Gelegenheit auch gleich an sich schon mal warm zu tanzen. Nach in den letzten Jahren rückläufiger Besucherzahlen konnte das Exit in diesem Jahr einen neuen Rekord feiern – 210.000 Menschen kamen nach Novi Sad. Neben den Bands tummeln sich zahlreiche Menschenrechts- und Umweltorganisationen innerhalb und außerhalb des Festivalgeländes. Ist der Geist des Exit also eine Art Türöffner für Europa?

„Da haben wir noch einen ganz schönen Weg vor uns.“ meint Senka. „In den wohlwollendsten Schätzungen ist von 10 Jahren die Rede. Viel wurde während den 90er Jahren ruiniert. Aber am wichtigsten ist, dass sich die Leute ändern. Denn wenn sich die Leute nicht ändern wird sich auch das System nicht ändern. Also hoffen wir, dass nichts Außergewöhnliches passiert, wie etwa ein weiterer Krieg.“ Allerdings verlassen heutzutage viele junge Menschen das Land, da es für sie zu wenig Perspektiven und zu wenig Geld zu verdienen gibt. Mit ihnen gehen natürlich auch ihre Ideale und der Wille, etwas zu ändern. „Die jungen Menschen sind Serbiens größte Stärke und, dass man sie nicht halten kann, die größte Schwäche. Deswegen könnte das Unterfangen EU-Beitritt ein Schwieriges werden. Es ist halt irgendwie einfacher anderswo Serbe zu sein als in Serbien. Wir sind – so würde ich es sagen – Opfer unseres eigenen Images. Das ist wohl Ironie des Schicksals. Trotzdem denke ich, dass es in Zukunft bergauf geht.“

Mazedonien: Skurrilitäten, VMRO-DPMNE und mazedonische Tiger

Eigentlich kann sich die Republik Mazedonien nicht beklagen. Vor 20 Jahren erlangte sie ohne große Zwischenfälle die Souveränität. Seit 2005 zählt das Land zu den offiziellen Beitrittskandidaten der EU. In der Hauptstadt Skopje wird an jeder Stelle gebaut – neue Bürogebäude entstehen, Einkaufstempel werden aus dem Boden gestampft, 3-spurige Highways bahnen sich ihren Weg durch die 500.000–Einwohner-Metropole. Eigentlich deutet vieles auf eine verheißungsvolle Zukunft hin. Eigentlich.

Das Stadtbild von Skopje wirkt dennoch skurril. Im Zentrum reiht sich ein Monument an das Andere, Statuen und Skulpturen geben sich sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Der Star dieses verschrobenen Bildes ist ganz klar die Statue von Alexander des Großen. Der 23 Meter hohe bronzene Klotz des Königs von Makedonien überragt alles bisher da gewesene (mit 9,5 Mio. Euro auch kostentechnisch) auf dem Main-Square von Skopje. Auch wenn es bereits die dritte Alexander Statue in Mazedonien ist, stellt dies für den Großteil der Bevölkerung kein Problem dar. Viele sehen sich in der Tradition des antiken Reiches Makedonien, was die Verehrung des Königs nachvollziehbar macht. Dem Nachbarn Griechenland schmeckt diese Huldigung allerdings überhaupt nicht. Die Griechen sehen die Verehrung eher als Provokation an, denn egal wie groß und bedeutend das Reich Makedonien zu seiner Zeit auch war, Alexander der Große wurde auf griechischem Territorium geboren. Da die Mazedonier aber ein friedvolles Völkchen sind und keine Probleme mit dem großen EU-Nachbarn wollen, heißt die Statue nun schlicht und einfach Der Soldat auf dem Pferd. So oder so, auf dem „Monumenten-Square“ ist für Jedermann etwas dabei.

Aber damit nicht genug, denn die Stadtväter haben noch großes mit der Hauptstadt vor. Für das Projekt Skopje 2014 steht neben weiteren Skulpturen und Statuen auch der Bau von  Museen, Hotels und einer Kirche auf der Agenda. Diese soll übrigens die größte mazedonisch-orthodoxe Kirche des Landes werden. Mitten im Zentrum. Die passt bestimmt gut ins Stadtbild. Übrigens dort, wo Mutter Teresas Geburtshaus stand. Die nächsten Proteste sind da wohl vorprogrammiert. Nicht nur die Opposition schlägt Alarm, auch die so genannte  Bildungs-Elite und der mittlerweile geschlossene, regierungsferne Fernsehsender A1 äußerten sich mehrfach kritisch zu den Plänen der Regierung. Proteste hier, Kritik da, Mazedoniens Premier Nikola Gruevski interessiert das alles recht wenig. Die Baukosten für das Projekt wurden schon mal von 80 Mio. Euro auf knapp 200 Mio. Euro nach oben korrigiert. Übrigens: die Arbeiten am Triumphbogen zu Skopje sind fast abgeschlossen.

Eine andere Baustelle der Republik Mazedonien ist der Name Mazedonien. Auch hier mimt der Nachbar aus dem Süden den Spielverderber. Da eine Provinz im Norden Griechenlands den Namen Makedonien trägt, fürchten die Griechen nach dem EU-Beitritt territoriale Ansprüche des Nachbarn. So scheiterte der NATO-Beitritt Mazedoniens ausschließlich am griechischen Veto. Um die Lage zu entspannen, trägt die Republik Mazedonien seit 2008 auch den Namen Former Yugoslavian Republic of Macedonia (FYRM). Dennoch gehen die Griechen weiter auf Konfrontationskurs und fordern einen anderen Namen für das Land. Bemüht man das Orakel namens Internet werden Namensvorschläge wie Republik Skopje oder Südslawien ausgeworfen. Hier jedoch stellt sich die mazedonische Regierung quer. Laut Umfragen wollen 90 Prozent der Mazedonier (immerhin 65 Prozent der Gesamtbevölkerung sehen sich als Mazedonier) keinen anderen Namen für ihr Land und ihre nationale Identität wahren. Zumal über 106 Länder den aktuellen Namen Republik Mazedonien offiziell anerkannt haben. Die Beitritt-Verhandlungen der EU mit Mazedonien sind wegen des Namensstreits jedoch vorerst auf Eis gelegt.

Kennst du wen bist du wer, oder wie jetzt?

Boris Kaeski ist in Rage und frustriert über die Situation im Land. Der 29-Jährige Kamerastudent kann die jüngsten Entscheidungen der Regierung weder nachvollziehen noch verstehen. „Ehrlich gesagt könnte ich weinen. Es ist unglaublich, wie viel Geld für das Projekt Skopje 2014 verbrannt wird. Haben wir denn keine anderen Probleme? Unsere Wirtschaft ist schwach, das Verkehrsnetz im Land alt und marode. Zuerst sollte die Regierung in Bildung und die Infrastruktur investieren. Es gibt viele Menschen, die von 3 Euro am Tag leben und dann wird Geld für so einen Unsinn ausgegeben. Ich kann das nicht verstehen.“ Boris kam als Kind mit seiner Familie als Kriegsflüchtling aus Bosnien nach Mazedonien. Der Start in ein neues Leben war für seine Familie nicht leicht, denn im Krieg hatten sie alles verloren und mussten in der neuen Heimat bei null beginnen. Heute steht er kurz vor seinem Universitätsabschluss. Er selbst bezeichnet sich als aktiven Bürger, der auf die Straße geht, wenn ihm Dinge nicht passen. „Die Parteien denken zu wenig an das Wohlergehen unseres Landes. Sie versuchen ausschließlich ihre persönlichen Interessen durchzusetzen. Ich spreche hier von Vetternwirtschaft. Parteimitglieder und -freunde bekommen einen guten Arbeitsplatz oder ihnen werden Positionen zugesprochen, unabhängig von ihrem Bildungsgrad. Und das nur, weil sie Mitglied einer Partei sind. Es ist nicht besonders verwunderlich, dass die Politik eine geringe Wertschätzung in der Bevölkerung genießt.“ Eine Verbesserung der Situation ist in seinen Augen nicht in Sicht. „Man fragt sich schon warum man überhaupt studiert und ob man in einem anderen Land nicht besser leben kann. Dort wo ich durch meine Bildung anerkannt werde und nicht durch meine Parteizugehörigkeit. Ich denke, dass viele junge, gut ausgebildete Menschen in den kommenden Jahren das Land verlassen werden.“

Politische Veränderungen wurden Anfang Juni 2011 mit Neuwahlen angestrebt, nachdem die Opposition seit Anfang des Jahres das Parlament boykottiert hatte. Bei der Wahl am 05.06.2011 wurde die regierende Partei VMRO-DPMNE um Premier Gruevski im Amt bestätigt. Somit bleibt wohl vorerst alles beim Alten in der Republik Mazedonien.

„Ich denke schon, dass es bei der Wiederwahl mit rechten Dingen zuging. Aber, wenn die Wähler kritisch wären, hätten sie die konservative VMRO-DPMNE nicht wiedergewählt. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen verunsichert sind und sich der aktuellen Situation Mazedoniens nicht bewusst sind. Ich weiß dass wir eine hohe Arbeitslosigkeit haben und die Hoffnung Vieler auf der Regierung liegt, z.B. ihren Kindern Arbeit zu verschaffen. Alle sehnen sich nach Verbesserungen, aber viele glauben auch den leeren Versprechungen der Parteien. Es gibt keine Veränderungen. Und wenn meine Interessen als Bürger nicht vertreten werden, gebe ich doch der Opposition eine Chance, oder nicht?“ Natürlich stellt sich die Frage, inwieweit die Opposition einen neuen Kurs einschlagen würde oder ob sie auch lediglich ihre persönlichen Interessen durchzusetzen versucht. „Die aktuelle Regierung macht jedenfalls ihr Bestes dafür einem EU-Beitritt entgegen zu wirken. Wie ich gehört habe, will sich die Regierung jetzt auch in die Kommission für Medien einmischen. Sollte das passieren, gibt es keine freien Medien mehr.“ Die Schließung des Fernsehsenders A1 und von drei Zeitungen deuten die momentane, angespannte Lage im Medienbereich an und zeigen exemplarisch, wie es um kritische Berichterstattung in der Balkan-Republik bestellt ist. Auch aus diesem Grund glaubt Boris, dass Mazedonien noch weit von einem EU-Beitritt entfernt ist.

„Meine Hoffnungen liegen hier auch bei cafebabel.com, das als offenes Magazin solche Storys verbreiten kann und das Land zeigt, wie es ist und was hier eigentlich los ist.“

„babel-lized“

Den ersten aktiven Kontakt zu cafebabel.com hatte Boris beim Green Europe On The Ground-Projekt. „Zunächst machte mich ein Freund auf das Magazin aufmerksam. Er meinte, dass cafebabel.com viele interessante Themen aufgreift und ich mich doch mal für ein Projekt bewerben soll. Das tat ich auch. Leider erhielt ich eine Absage, weil das Team damals schon voll besetzt war. Als sie dann hier in Skopje im Rahmen des Orient Express-Projektes unterwegs waren, habe ich den Teilnehmern mit Kontakten weitergeholfen. Schließlich schrieb mich Katharina Kloss (Redakteurin von cafebabel.com) an und fragte ob ich Ende Juni 2011 für das Green Europe On The Ground-Projekt in Wien verfügbar wäre. Ich sagte sofort zu.“ Sein Projektfilm versucht die Symbiose zwischen Einwohnern und Grünflächen Wiens herzustellen. „In Wien leben viele Menschen mit unterschiedlicher Herkunft - in meinen Augen eine sehr multinationale Metropole. Ebenso gibt es viele Grünflächen. Der Film zeigt, wie grüne Flächen auf unterschiedlichste Art und Weise von den unterschiedlichsten Menschen genutzt werden. Das Projekt an sich war eine tolle Erfahrung für mich. Am Tag hat jeder an seinem Thema gearbeitet und die Abende haben wir zusammen verbracht. Jeder war freundlich und die Stimmung im Team war super. Ich bin total babel-ized.“

Seine Begeisterung reicht momentan so weit, dass Boris in absehbarer Zukunft eine Non Government Organisation (NGO) mit anderen jungen Leuten gründen möchte, um dann in Form eines Blogs Teil des Babel-Netzwerkes zu werden. „Ich fühle, dass cafebabel.com ein Nerv meines Körpers ist und ich darüber mit anderen Menschen verbunden bin.“ Bei allem Lob sieht er aber auch Verbesserungspotential beim Online-Magazin. „Cafebabel müsste mehr Werbung für sich selbst machen. Das Magazin gibt es seit 10 Jahren, aber viele Leute haben noch nie etwas davon gehört. Auch ich kannte das Magazin bis vor kurzem überhaupt nicht, dabei interessiere ich mich wirklich für viele Themen. Ich würde es Schade finden, wenn cafebabel.com lediglich eine Nischenrolle in Mazedonien einnehmen würde, denn der Ansatz des Magazins ist super.“

Alpha und Tiger

„Martin Neskoski wurde ermordet! Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum 06. Juni 2011 nach dem Wahlsieg der VMRO-DPMNE auf dem Main Square von Skopje. Dabei war er Anhänger der Partei und feierte wie viele andere den Wahlsieg. Am Rande der Veranstaltung prügelte ein Mitglied der Tiger, einer Sondereinheit der Polizei, aus bisher noch ungeklärten Gründen auf den 22-Jährigen ein bis er tot war. Über Facebook und Twitter verbreitete sich die Nachricht vom Tod des Jungen recht schnell.“ Was Boris und viele kritisieren, ist die Reaktion der Regierung und die mangelnde Aufklärung des Vorfalls. Der Polizist wurde zwar einige Tage nach dem Vorfall verhaftet, dennoch „wurden falsche Informationen an die anderen Polizisten weitergegeben. Ich habe mit einem Polizisten gesprochen und der sagte mir, dass der Junge mit einer Kanüle im Arm gefunden wurde und eine Überdosis hatte. Diese Geschichte wurde an die Polizisten weitergegeben. Das ist aber nicht wahr! Jeder konnte es sehen. Er hatte am ganzen Körper Hämatome. Auf uns macht es den Eindruck, als würde die Polizei versuchen den Tod unter den Teppich zu kehren. Es gab leider vorher schon einige Vorfälle im Zusammenhang mit Polizeibrutalität, aber der Tod von Martin Neskoski war das ausschlaggebende Ereignis für unsere Proteste. Dabei geht es uns in erster Linie um die Polizeibrutalität und nicht um andere politische Themen. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls und die Bestrafung jener, die die Verantwortung dafür tragen. Außerdem sollten Stresstests für Polizisten und die Sondereinheiten Tiger und Alpha eingeführt werden. Es muss geklärt werden, ob die Polizisten psychisch stabil sind oder ob sie in Stresssituationen schnell Wutanfälle bekommen.“ Auch hier sollte ein neuer Name her. Diesmal jedoch für die Sondereinheiten, „denn mit den Namen Tiger und Alpha verbinden viele Mazedonier schlechte Erinnerungen.“ - Namensvorschläge sind willkommen.

Axel Matz

Bosnien und Herzegowina – Jugoslawien im Kleinformat

“The Heart-Shaped Land“ – Wenn man einmal davon absieht, dass man ein klein wenig Vorstellungskraft braucht, um in den Umrissen des Bosniens ein Herz zu erkennen, steckt schon etwas Wahres in diesem Werbe-Slogan. Im Herzen des ehemaligen Jugoslawien gelegenen, vereinten sich hier seit jeher Kulturen und Religionen. Daher wurde Sarajevo in der Vergangenheit auch gelegentlich als europäisches Jerusalem bezeichnet. Der Mix aus moderner, osmanischer und austro-ungarischer Architektur und europäischem sowie orientalischem Ambiente, macht die Hauptstadt Bosniens und Herzegowina noch vor Istanbul zum Ort wo der Westen den Osten trifft. Allerdings sind heute annähernd 80 Prozent der Bevölkerung Sarajevos muslimisch, da viele Anhänger der beiden anderen großen Religionsgruppen (Orthodoxe und Katholiken) während des Bosnienkrieges flohen. Die Metropole steht dafür stellvertretend für das ganze Land.  Das Abkommen von Dayton (1995) spaltete das Bosnien in zwei Teilstaaten. Zum einen in die Republika Srpska, welche mehrheitlich von bosnischen Serben bewohnt wird und sich im Norden und Westen des Landes befindet. Zum anderen in die muslimisch-kroatische Föderation von Bosnien und Herzegowina mit der Hauptstadt Sarajevo. Von Harmonie kann in Bosnien und Herzegowina von heute also nicht wirklich die Rede sein.

 „Dummerweise mögen wir uns hier gegenseitig nicht, das ist unser größtes Problem.“ meint Sladjana Perkovic (29), cafebabel-Redakteurin und gebürtige Serbin aus Banja Luka. „Wir haben hier so viel Potential, doch wir nutzen es einfach nicht richtig. Die Industrie liegt brach und nationalistisches Gedankengut verdirbt die Menschen, die einfach nicht verstehen, dass sie alle gleich sind. Wir leben im selben Land und sprechen die gleiche Sprache, das einzige was uns unterscheidet ist die Religion. Dabei sind die Menschen hier gar nicht so religiös. deswegen verstehe ich nicht woher dieser Hass kommt. Diesbezüglich haben wir die gleichen Probleme, die Jugoslawien auch hatte - 3 große Volksgruppen aber auf noch kleinerem Raum und jeder will für sich selbst bestimmen.“ Hört man diese Worte ist es nicht verwunderlich, dass Menschen mit gemischten Gefühlen in die Zukunft schauen. Einige sprachen auch von der Angst vor neuen Konflikten nach dem Abzug internationaler Beobachter. Neue Konflikte, das ist was die Menschen hier am wenigsten wollen und das Land am wenigsten gebrauchen kann. Sladjana erzählte uns von ihren Erinnerungen aus den frühen 90er Jahren.

„Vom Krieg an sich war in Banja Luka eigentlich nicht so viel zu spüren. Die Güter wurden knapp, die nicht-serbische Bevölkerung vertrieben und einige Moscheen gesprengt. Das waren die drastischsten Auswirkungen. Nachts ließen wir die Fenster offen damit die Druckwelle einer möglichen Explosion diese nicht zerstört. Von den Vertreibungen waren wir auch direkt betroffen. Mein Onkel  musste nach Dänemark fliehen, dort lebt er heute noch. Gegen Ende des Krieges, als es für die Serben nicht gut aussah, bereiteten wir uns auch darauf vor zu flüchten. Wir hatten eine Flasche mit Benzin in unserer Wohnung, die wir hüteten wie einen Schatz. Hätten wir den Sprit im Tank gelassen, wäre er uns mit Sicherheit geklaut worden. Letztendlich wurde aber glücklicherweise der Friedensvertrag unterschrieben.“

Viele Menschen sind es leid über den Krieg zu Sprechen oder wollen ihn ganz einfach vergessen, das ist zumindest was uns erzählt wurde. Dennoch ist es nicht schwer Zeugnisse des Konflikts zu finden. Zum einen sind in den Stadtbildern von Sarajevo und besonders von Mostar noch zahlreiche Kriegsnarben zu finden. Zum anderen – und das ist das Widersprüchliche - verkaufen die Händler in den Straßen Bildbände, DVD´s, Stahlhelme und Souvenirs in Munitionsform -  nicht zu vergessen die Ratko-Mladic-Fanshirts, welche in Banja Luka zum Verkauf angeboten werden. Desweiteren gibt es zahlreiche Fotoausstellungen und Museen zum Thema Bosnienkrieg. Bekanntester Vertreter ist das Tunnelmuseum in Butmir, nahe dem Flughafen Sarajevo. Dieser 800 Meter lange Tunnel versorgte die bosniakischen Verteidiger des belagerten Stadtkerns mit Lebensmitteln, Wasser und Munition. Das Herzstück des Museums ist ein 20-minüterger Film über den serbischen Beschuss Sarajevos sowie Bau und die Funktionsweise des Tunnels. Daneben werden einige Orden und Ehrungen ausgestellt. Es kann passieren, dass man mit dem Gefühl aus der Ausstellung geht nichts besonders gesehen zu haben, da es nicht wirklich viel zu sehen gibt. Aber immerhin waren unter anderem Orlando Bloom, Morgan Freeman und Richard Gere hier. Also muss es ja irgendetwas Besonderes haben…

Sehenswert dagegen ist die Altstadt von Sarajevo mit all den Moschen, Basaren und unzähligen Bars. In einer dieser Bars trafen wir Bárbara Bécares Castaño (26) aus Spanien, welche in Sarajevo einen Blog für cafebabel betreut. Eine Spanierin, die es nach Sarajevo gezogen hat und dort für cafebabel schreibt – Für uns das personifizierte Konzept des Magazins. Wie kommt man dazu von Spanien nach Bosnien zu ziehen, um dort für cafebabel zu schreiben?

„Ich mag den Balkan einfach sehr gern und ich liebe Sarajevo, also bin ich einfach hier her gezogen. Als ich nach Bosnien gekommen bin, habe ich festgestellt, dass cafebabel hier noch nicht vertreten ist. Also dachte ich mir es wäre ein nettes Projekt hier einen Babelblog zu starten, weil mich das Konzept sehr anspricht und ich ein Teil davon sein möchte. Sarajevo ist nicht wirklich populär in Westeuropa. So habe ich bei cafebabel angefragt, ob man nicht gerne jemanden hätte, der das Magazin in Sarajevo vertritt. Ich habe mich dazu entschlossen hier ein Lokal-Team aufzubauen und bin gerade noch auf der Suche nach Mitstreitern, was sich als nicht so einfach erweist, was möglicherweise daran liegt, dass es sich um Freiwilligenarbeit handelt. Deswegen bin ich zurzeit noch Einzelkämpferin.  Sarajevo ist eine Stadt in der viel los ist. Es wäre schön 3 oder 4 Leute zu haben die zu verschiedenen Veranstaltungen gehen  und dann darüber schreiben. Mit der Zeit, so hoffe ich, wird der Babelblog Sarajevo auch über politische und EU-bezogene Themen berichten können. Das möchte ich aber ungern selber machen, da ich noch nicht so vertraut mit dem Land bin und ich keine Unwahrheiten schreiben will.“

Geht es nach der Meinung von Bárbara und Sladjana ist ein EU-Beitritt in weiter Ferne. „Ich denke die EU wird zusammenbrechen bevor Bosnien und Herzegowina zum Beitritt bereit ist.“ meint Sladjana etwas sarkastisch. „Aber ich hoffe es wirklich, weil das meiner Meinung nach der einzige Weg ist, wie wir wieder zusammenfinden können. Es wäre wie eine Wiedervereinigung. Doch da gibt es noch einige Hürden zu meistern. Wir haben hier eine sehr schwache Wirtschaft und dann natürlich die Uneinigkeit zwischen den beiden Teilstaaten. Das ist unser größtes Problem.“ Uneinigkeit zwischen den Entitäten, das ist auch für die Europäische Union das Hauptproblem, die vor nicht allzu langer Zeit Bosniens europäische Perspektive bekräftigte, aber unmissverständlich klar machte, dass dies unmittelbar mit der „territorialen Integrität“ von Bosnien und Herzegowina zusammenhängt. Das könnte wiederum zu Problemen führen, da in der Republika Srpska immer wieder Stimmen laut werden, die die Unabhängigkeit der serbischen Teilrepublik fordern.

Dem politisch nichtinteressierten Bürger könnte das möglicherweise beim Fußball aufgefallen sein. Der Bosnische-Fußball-Verband wurde im April von der UEFA und der FIFA zwischenzeitlich suspendiert, da dessen Mitglieder sich nicht auf einen Präsidenten einigen konnten. Wie auch auf politischer Ebene gab es im Verband 3 Präsidenten: einen Bosniakischen, einen Serbischen und einen Kroatischen. Dieses Problem konnte allerdings gelöst werden, so dass die Bosnische Fußballnationalmannschaft auch weiterhin an den Wettbewerben der FIFA und UEFA teilnehmen kann. Jedoch verdeutlicht es die Probleme, welche in Bosnien vorherrschen. Soll heißen: Wenn man sich schon beim Fußball nicht einig ist, wie soll es da in der Politik klappen.

Auch 16 Jahre nach Dayton ist noch immer keine Einigkeit im Herzen des Balkans eingekehrt. „Wenn ich es kurz und knapp sagen müsste würde ich es wohl wie folgt ausdrücken.“ meint Sladjana abschließend. „Bedingt durch die geografische Lage Bosniens und Herzegowinas, waren wir hier schon immer inmitten der Probleme. Heute sind wir einfach nur ein kleines Land das versucht zwischen Serbien und Kroatien zu bestehen und einen Weg in die EU zu finden. Für die Menschen hier und den Frieden in der Region hoffe ich einfach, dass das funktioniert.“

Christian Geipel

Montenegro – The Good Guy?

„Schön, aber problematisch“ - so beschreibt Marko Vesovic (26) Montenegro. Schön, weil es mit der spektakulären Küstenlandschaft im Süden und dem Dinarischen Gebirge im Norden zu den schönsten Ländern Europas zählt. Problematisch, weil es trotz EU-Beitrittsbemühungen viele innerpolitische und strukturelle Probleme gibt.

Vor 5 Jahren löste sich Montenegro mit einer knappen Mehrheit (55%) von der Föderation Serbien-Montenegro. Die Meinungen, ob Montenegriner nun ein eigenes Volk oder noch immer Teil des serbischen Volkes sind, gehen dabei auseinander. Nach der Unabhängigkeit 2006 sahen sich lediglich 43% der Bevölkerung als Montenegriner, 32% dagegen als Serben. Neben den zwei großen Gruppen ist Montenegro Heimat für Bosniaken, Albaner, slawische Muslime, Kroaten, Sinti und Roma. „Für Montenegro wäre eine Föderation besser gewesen, nicht nur wegen der Verbundenheit zu Serbien. Allein aus wirtschaftlicher Sicht wäre Serbien-Montenegro besser aufgestellt gewesen.“ Marko selbst fühlt sich als Serbischer Montenegriner und stimmte gegen die Unabhängigkeit von Montenegro.

Er ist Redakteur bei der serbischen oppositionellen Tageszeitung `Dan` (Der Tag), einer der einflussreichsten Zeitungen Montenegros. Marko studierte an der Universität Montenegro Journalismus und zählt zur ersten Generation ausgebildeter Journalisten im Land. Dass er sich für den journalistischen Bereich entschieden hat, hing mit der Tatsache zusammen, „dass es in Montenegro nicht viele Journalisten gab“ und „es in diesem Bereich noch viele Geschichten zu entdecken gibt. Außerdem haben Medien eine enorme Macht um z.B. Misswirtschaft oder Fehlverhalten aufzudecken.“

Vor allem ist er mit der eigenen Regierung unzufrieden. Spricht man ihn direkt auf die innerpolitische Situation an, fallen schnell Worte wie Korruption oder organisiertes Verbrechen. In seinen Augen verwehrt sich die Regierung gegen öffentliches Interesse solcher Missstände.

„Es gab in den letzten 22 Jahren nur wenige politische Veränderungen. In jedem europäischen Land gab es in dieser Zeitspanne politische Umbrüche. In einem Land kann sich die Staatsstruktur (Jugoslawien) ändern oder es wird Teil einer Föderation. Ein Land kann sich auch für unabhängig erklären. Wenn sich jedoch nichts am System ändert, wird sich auch an der Gesamtsituation wenig ändern.“ Marko spricht dabei von der Hartnäckigkeit der alteingesessenen `Polit-Elite`, die in seinen Augen dringend benötigte Reformen im Land verzögert. Wenn er von dem `System` spricht, führt er u.a. den Politiker Milo Djukanovic an. Dieser ist Mitglied der Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS), welche 1990 als Nachfolgeorganisation des montenegrinischen Teil des `Bundes der Kommunisten Jugoslawiens` hervorging. Dieser trat er bereits in den 1980er Jahren bei. Im Dezember 2010 gab Djukanovic seinen Rücktritt als Premierminister von Montenegro bekannt. Gegen den ehemaligen Regierungschef liefen u.a. in Italien Ermittlungen wegen großangelegtem  Zigarettenschmuggel. Die Opposition sah darin einen Grund für die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Partei. Denn als Regierungschef eines souveränen Staates ist er vor Strafverfolgung geschützt. Trotz der massiven Vorwürfe ist Djukanovic noch immer Vorsitzender der regierenden DPS. 

„Eine EU-Mitgliedschaft könnte vieles ändern. Wenn man der EU beitreten will, müssen Reformen eingeleitet werden. Man muss als Land an sich arbeiten, sich verbessern, die eigenen Handlungen überdenken. Demokratisierung ist ein langwieriger Prozess, der hoffentlich auch in Montenegro eintreten wird. Es wäre wichtig für uns, wenn die EU noch mehr Druck auf Montenegro ausüben würde. Nur so können benötigte Reformen schnell eingeleitet werden. Sollte es nicht mit dem EU-Beitritt klappen, haben wir ernsthafte Probleme.“ Und weiter: „Montenegro ist momentan in einer schwierigen Situation. Das Land ist in seiner Struktur nicht besonders stabil.“ Geht es nach ihm, wird z.B. gegen Korruption oder organisiertes Verbrechen nicht energisch genug vorgegangen. „Diese Punkte müssen wir unbedingt in den Griff bekommen. Die EU-Mitgliedschaft in absehbarer Zeit wäre wichtig und würde zumindest etwas Stabilität garantieren.“ Weitere Probleme sieht er im wirtschaftlichen Bereich: Während im Süden die Tourismus-Branche boomt und zahlreiche ausländische, vor allem russische Investoren in die `Adriarepublik` lockt, lahmen andere Wirtschaftszweige bzw. wird in diese zu wenig Geld investiert. Hinzu kommt, dass Montenegro mit einem Durchschnittseinkommen von 300 Euro im Monat und einer im europäischen Vergleich unterdurchschnittliche Kaufkraft zu kämpfen hat. 

"Nach dem Zerfall Jugoslawiens und dem Ende des Kommunismus gab es einen enormen  Medienzufluss in Montenegro. Viele Fernsehsender wurden geöffnet und neue Zeitungen veröffentlicht. Dennoch ist das Arbeitsumfeld für Journalisten nicht das Beste, da Montenegro an sich einen relativ kleinen Medienmarkt darstellt.“ Wachstumspotenzial sieht Marko vor allem im Online-Bereich. Die Anzahl der Internetnutzer soll in diesem Jahr auf 340.000 steigen, was bei 625.000 Einwohnern knapp 55% Prozent bedeutet. Hier gibt es jedoch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Während es in Podgorica und an der Küste bereits viele Internetanschlüsse und -nutzer gibt, nimmt die Anzahl in Richtung Norden deutlich ab.

Marko zeigt Verständnis, dass cafebabel als Online-Magazin weder mit einer Lokalredaktion, noch mit einem City-Blog in Montenegro vertreten ist. „Man sagte mir, dass es in der Balkan-Region irgendwann eine Lokal-Redaktion geben könnte.“ Marko selbst hat lediglich ein Profil bei cafebabel und schreibt hin und wieder Artikel für das Magazin. „Es gibt nicht so viel von mir bei cafebabel, nicht viel über Montenegro. „Viele Montenegriner folgen den Online-Auftritten der BBC oder der Deutschen Welle. Es gibt Wenige, die cafebabel kennen. Leute wie du und ich lesen Artikel auf cafebabel.com, aber ein Großteil der Bevölkerung kennt das Magazin überhaupt nicht! Solange es keine physische Präsenz von cafebabel z.B. in Montenegro gibt und keine Werbung für das Magazin geschaltet wird, wird kein Effekt auf die öffentliche Meinung zu spüren sein. Generell ist es schwierig, das Medieninteresse auf Montenegro zu lenken. Wir sind eines der kleineren Länder Europas und Ereignisse mit Nachrichtenwert geschehen nur von Zeit zu Zeit. Momentan reicht es aus in Abständen über Montenegro zu berichten. Folgt man den großen europäischen Mediennetzwerken, liest man ebenfalls nur gelegentlich von Montenegro.“ Marko glaubt jedoch fest daran, dass es in den kommenden Jahren einen Entwicklungsprozess geben wird. „Wir werden als Land näher an Europa rücken, so wie jetzt Kroatien. Sie werden in absehbarer Zeit der 28. Mitgliedsstaat der EU werden. Und jeder fragt: Was ist das für ein Land? Was passiert dort? Welche Entwicklungen gibt es? Einestages wird Montenegro vielleicht das 29. oder 30. Beitrittsland sein und ich denke, dass die Menschen spätestens dann wissen wollen, was Montenegro für ein Land ist. Dann wird vielleicht auch Platz für ein cafebabel Lokal–Team sein, das interessante  Geschichten über den Balkan aufdeckt.“ Eine Zusammenarbeit zwischen ihm und den `Babelianern` gibt es bereits seit 2008. „Ich habe bei der Preisverleihung zum `European Young Journalist Award` die cafebabel Redakteurin Nabeelah Shabbir kennengelernt und sie gab mir und einem Freund aus Mazedonien ein paar Anregungen für Artikel. Danach haben wir einige Artikel für das Magazin geschrieben." Marko sieht noch großes Wachstumspotential für das Europa-Magazin. „Cafebabel ist ein interessantes Medium und es könnte auf dem Balkan eine tragende Rolle einnehmen. Ebenso ist es für junge Menschen geeignet, die sich journalistisch ausprobieren wollen. Eine stärkere Präsenz cafebabels wäre auch gut für die Medienfreiheit in Montenegro.“ Makros Arbeitgeber druckte in der Ausgabe vom 11.07.2011 bereits zum 2602.-Mal das Bild des ermordeten `Dan`-Gründers und Chefredakteurs Dusko Jovanovic auf der Titelseite ab. Seit nunmehr 2602 Tagen warten viele auf die Aufklärung dieses Verbrechens. Für `westeuropäische´ Verhältnisse ist das schwer vorstellbar.

Mit einem unrühmlichen 105. von insgesamt 178 Plätzen auf der aktuellen `Reporter ohne Grenzen` - Liste hat Montenegro auch hier noch jede Menge Nachholbedarf. „Wir sind erst am Anfang einer Entwicklung und ich hoffe, dass sich die allgemeine Situation im Land verbessern wird.“

„Die nächsten Jahre werden zeigen, in welche Richtung es mit Montenegro gehen wird. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Situation für Medienschaffende entwickeln wird. Ich hoffe, dass die Arbeitsbedingungen für uns Journalisten besser werden. Wir müssen einfach abwarten. Die Medien können jedoch dabei helfen ein positives Bild von und über Montenegro zu verbreiten.“


Axel Matz

 

Slowenien – Ein Eisberg im Herzen Europas

Erstes Ziel unserer Reise ist Slowenien. Das kleine Land im Herzen Europas löste sich mit der Unabhängigkeitserklärung 1991 als erster Teilstaat vom ehemaligen Jugoslawien. Der Beitritt zur europäischen Union (2004) und die Einführung des Euros (2007) ebneten den Weg in eine moderne Zukunft. Viele Veränderungen für die knapp 2 Millionen Einwohner Sloweniens.

Gerade die Balkanregion stellt mit einer ereignisreichen Geschichte und vielseitigen Kultur einen der interessantesten Flecken Europas dar. Kein Wunder, dass auch hier das Europamagazin cafebabel längst angekommen ist und den Rest Europas mit Balkan-News auf dem Laufenden hält. Während des von cafebabel initiierten Projektes `Green Europe on the ground` trafen wir mit Natalija Majsova und Ljubica Damevska zwei Macher des City-Blog Ljubljana und befragten sie zu ihrem Land, zum Thema europäische Identität und ihrer Arbeit für cafebabel.

Ljubljana im Juni 2011; die Hauptstadt, das kulturelle Zentrum Sloweniens versprüht einen sehr modernen, jungen und dynamischen Lebensrhythmus und zählt mit seinen 276.000 Einwohnern zu den kleineren Metropolen Europas. Die historische Altstadt mit der vom Architekten Josef Plecnik geprägten Uferpromenade entlang der Ljubljanica, zeigt ein offenes und internationales Flair, lädt Bewohner und Touristen in die vielen Cafés und Bars ein. Barock, Jugendstil und Moderne Architektur prägen das kompakte Stadtbild in und um Ljubljana. Allein 10.000 Kulturveranstaltungen in Ljubljana machen die Vielschichtigkeit und eine gewisse Euphorie stellvertretend für das ganze Land deutlich.

Euphorisch waren die Slowenen „auch gegenüber dem EU-Beitritt. Sie fieberten ihm regelrecht entgegen! Diese Euphorie legte sich aber mit der Zeit. Das allgemeine Preisniveau stieg an und den Menschen wurde klar, dass sie ab jetzt von Entscheidungen der EU abhängig sind. Natürlich sind viele froh darüber ohne Probleme in der EU reisen zu können. Auch der Lebensstandard im Land ist seit dem EU-Beitritt gestiegen. Dennoch sieht ein Großteil der Slowenen nur, dass ständig Steuern und Preise erhöht werden“, so Natalija. Für viele Balkanstaaten hat Slowenien dennoch eine Vorbildfunktion. „Das Land war auf dem Balkan schon immer eine Wirtschaftskraft und Vorbild in den Bereichen Bildung oder Gesundheitspolitik.“

Welche Rolle Slowenien letztendlich auf dem Balkan bzw. in der EU einnimmt ist für beide Seiten noch offen, „da sich das Land selbst als Staat in der Mitte Europas darstellt, das nicht Teil des Balkans ist, aber über alle Aktivitäten Bescheid weiß.“ In Natalijas Augen „macht Slowenien noch nicht genug in seiner Rolle als `Mediator`, da es mehr damit beschäftigt ist zu zeigen wie es sich vom Balkan unterschiedet, anstatt sich anderen Staaten der EU anzunähern.“ So ist es nicht verwunderlich, dass „für viele westliche Staaten Slowenien noch immer Teil des Balkans ist. Viele sehen keine Unterschiede in der Mentalität oder in den Bereichen Kultur und Politik, solange sie nicht hier gewesen sind.“ Für Ljubica, wie auch für Natalija steht fest, dass sie sich nicht als `Europäer` sehen. Zum Einen möchte sich Natalija nicht nur mit geografischen Konzepten identifizieren und zum Anderen „sind die Menschen in der EU zu sehr auf wirtschaftliche Aspekte und politische Entscheidungen fokussiert. Die Annäherung an `EINE` europäische Identität wird vernachlässigt.“

Um dem entgegenzuwirken und nationale wie auch sprachliche Grenzen zu überwinden, ging im Oktober 2010 der City-Blog Ljubljana online und versorgt seitdem das Europamagazin cafebabel mit aktuellen und interessanten Themen aus Slowenien. Den ersten Kontakt zu den `Babelianern` hatte u.a. Ljubica vor einem knappen Jahr. „Ich habe cafebabel im Sommer 2010 bei einer Summer School in Frankreich kennengelernt. Sie sprachen mich an und fragten, ob ich ein Interview für sie übernehmen kann. Bis dahin kannte ich cafebabel gar nicht. Als wir zurück in Ljubljana waren haben wir uns im Internet über deren Ansatz, deren Idee informiert und wir sagten uns, lasst uns mit ihnen zusammenarbeiten. Wir finden die Grundidee gut - alle Europäer gemeinsam auf einer Plattform. Cafebabel gibt dir die Möglichkeit deine Meinung zu verbreiten und ich mag die Idee einer europäischen Öffentlichkeit. Es findet ein grenzübergreifender Meinungsaustausch statt.“ Danach ging alles recht schnell. „Wir haben eine e-Mail an die Chefredaktion in Paris geschrieben und sie waren sofort an einer Zusammenarbeit interessiert, weil sie noch keine `Babelianer` in Slowenien bzw. Ljubljana hatten. Wir haben die Initiative ergriffen und cafebabel hat uns dabei geholfen.“ Größtenteils übersetzt das Team Artikel anderer Redakteure. Selbst versuchen die City-Blogger durch Ankündigungen oder Rezensionen von Veranstaltungen am Europamagazin mitzuwirken. „Hin und wieder fragt cafebabel bei uns an, ob wir über bestimmte Themen schreiben wollen bzw. bringen auch wir Themenvorschläge ein.“ Bei der Themenwahl sind die Blogger recht frei, „das heißt, cafebabel sagt uns nicht worüber wir zu schreiben haben. Es muss nicht unbedingt etwas mit Slowenien zu tun haben, aber mit Europa.“

Anfang Juni war das Team aus Ljubljana Gastgeber und Organisator des cafebabel Projektes `Green Europe on the ground`. Hier werden ausschließlich `grüne` bzw. Umweltthemen aufgegriffen. Dabei ist es nicht immer leicht alles unter einen Hut zu bekommen, da die Zusammenarbeit mit dem Europamagazin auf einer freiwilligen Ebene basiert und das Team neben dem Blog noch anderen Beschäftigungen nachgeht. Natalija arbeitet zum Beispiel neben ihrem Studium halbtags bei der Slowenischen Nachrichtenagentur. Dort übersetzt sie größtenteils Nachrichten und fasst sie zu neuen zusammen. Als Nachwuchs-Journalistin arbeitet sie erst seit einem knappen Jahr. Und, „auch wenn die Arbeit nicht vergütet wird, kann dir die City-Blog Erfahrung später eventuell weiterhelfen. Außerdem ist es schön zu sehen, dass Leute an dem Blog interessiert sind.“ Die beiden sehen den City-Blog als Projekt bzw. Herausforderung. „Wir lernen neue Leute kennen und bekommen ständig neue Kontakte. Man kann einfacher miteinander kommunizieren und wir finden Menschen, die unsere Meinungen teilen. Ich denke, dass das ein guter Weg ist.“ Natürlich nimmt die Organisation (z.B. Green Europe on the ground) Zeit und Geld in Anspruch, aber wir wollen in Slowenien und Ljubljana etwas `Neues` schaffen. Man darf also auf weiteres aus dem Land in der Mitte Europas gespannt sein. Natalija bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Slowenien ist wie ein Eisberg. Zunächst erscheint es klein, aber wenn man genauer hinschaut, gibt es sehr viele Dinge zu entdecken.“

Axel Matz

Babel Balkan Experience

20 Jahre nach dem Beginn des Zerfalls der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien starten wir (Axel und Christian), zwei Studenten der Hochschule Magdeburg-Stendal einen Eisenbahn-Trip, der uns in das Herz des Balkans führen soll. Unsere Reise wird uns von Slowenien über Kroatien, durch die Gebirge und Wälder Bosniens und Herzegowinas bis hin nach Montenegro führen. Von dort aus geht es weiter nach Serbien, Mazedonien und schließlich in den Kosovo. In den heute unabhängigen Staaten der ehemaligen SFR Jugoslawien treffen wir eine neue, junge Journalistenriege – von uns Balkan-Babelianer getauft. Diese Redakteure und Blogger verfolgen das Ziel, von aktuellen Themen und Events ihrer jeweiligen Wirkungsstätten zu berichten. Von cafebabel erhalten sie die Unterstützung, um ihre Vorhaben umzusetzen. Wir sind Unterwegs um ebendiese Redakteure und Blogger zu besuchen und sie über das Leben auf dem Balkan, deren Motivation und zur Arbeit mit cafebabel.com auszuquetschen. cafebabel, welches selbst seit einiger Zeit mit dem ‘‘Orient-Express‘‘-Projekt auf dem Balkan tätig ist, war auch bereit uns mit diesem Blog und vielen nützlichen Kontakten zu unterstützen. Unsere Motivation begründet sich aus der Tatsache, dass diese Region immer noch eine der Schönsten und unverfälschtesten Europas ist und wir an das babelianische Konzept, des paneuropäischen Austauschs glauben. Unterstützt werden wir dabei von cafebabel in Person von Katharina Kloss und Nabeelah Shabbir, welche uns auch als erste für ein Interview bereit stand.

Wir trafen Nabeelah, eine junge aufgeweckte Britin pakistanscher Abstammung in Ljubljana, unserer ersten Station. Dort war sie damit betreut das ‘‘Green Europe on the Ground‘‘-Projekt zu managen. Da Nabeelah zudem die Lokführerin des Orient-Express und preisegekrönte Autorin eines Artikel über den Kosovo ist, waren wir über diesen ersten Kontakt sehr dankbar. Wie wir war sie ebenfalls von Beginn an vom Prinzip der Internetplattform beeindruckt, auch wenn es sich bei cafebabel, so meint sie um eine „utopische Konstruktion“ handelt, da die Inhalte in sechs verschiedenen Sprachen veröffentlicht werden. „Meiner Meinung nach ist der wichtigste Aspekt von cafebabel das Anstoßen von Debatten und der Versuch das Sprachrohr einer jungen interessierten Generation von Europäern zu sein.“ so Nabeelah weiter.

Im Verlauf des Gesprächs erklärte uns die Britin, was den Balkan so besonders macht:  Die Tatsache, dass zwei der fünf Artikel aus unserer Kosovo-Reihe ausgezeichnet wurden, veranlasste uns dazu mit dem Balkan-Netzwerk, das wir bis dahin aufgebaut hatten in Kontakt zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir jetzt auf dem Balkan auch einige Babelianer. Der Balkan ist eine sehr spezielle und aufregende Region. Von hier gibt es so viele faszinierende Stories zu erzählen. Das meine ich nicht nur auf politischer Ebene. Die Kulturen der einzelnen Länder sind alle ähnlich und auf einer fundamentalen Ebene sprechen alle die gleiche Sprache. Und doch sind mittlerweile sieben Staaten aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangen. Natürlich ist auch die politische Situation sehr interessant. Themen wie  Serbiens EU-Beitritt oder der Streit zwischen Mazedonien und Griechenland beschäftigen uns gleichermaßen. Ich wünschte wir hätten mehr Macht, solch politische Fragen zu beeinflussen. Gleichzeitig denke ich aber, dass cafebabel.com mit dem ansprechen solcher Themen einen Nerv trifft und so vielleicht doch dazu beiträgt das etwas ins Rollen kommt.

Christian Geipel